Kiesgruben

Seit den 1920er Jahren wird im Leinetal zwischen Hannover und Hildesheim industriell Sand und Kiesgewinnung betrieben, zunächst im Flussbett der Leine selbst und anschließend in der unmittelbar angrenzenden Flussniederung. Nachdem aus dem Flussbett der Leine bei Döhren erstmals 1931 ein altsteinzeitlicher Faustkeil ausgebaggert wurde, war das Interesse der Archäologen geweckt. Wegen des hohen Grundwasserstandes werden die Rohstoffe  im Nassabbauverfahren mithilfe von Baggerschiffen bis zu einer Tiefe von etwa 6 m unter dem heutigen Geländeniveau zutage gefördert und dann auf Förderbändern zu einem Sortierwerk transportiert. Hier wird das Material über Siebe mit unterschiedlichen Maschenweiten für Fein-, Mittel- und Grobkörnungen, also von Feinsand bis zu Kies mit den Größen von etwa 3 cm Durchmesser gespült und auf verschiedenen Halden mit den entsprechenden Korngrößen abgelagert, größere Kiesel und Gerölle werden von der Bauwirtschaft nicht benötigt und landen auf einer sogenannten Überkornhalde. Von diesen Halden werden vorwiegend Privatsammlern und Hobbyarchäologen neben fossilen Knochen von Tieren und Menschen auch altsteinzeitliche Geräte aus Flint abgesammelt, in geringerem Umfang auch jüngere Funde wie Äxte und Hacken aus Hirschgeweih, Keramikfragmente sowie Metallobjekte und alte Hölzer. Die überwiegende Zahl dieser Funde wird der Denkmalpflege gemeldet und kann so für die Forschung ausgewertet werden. Seitdem konnten aus verschiedenen Kiesgruben eine stattliche Anzahl von altsteinzeitlichen Feuersteingeräten und Tierknochen geborgen werden, die uns einen guten Einblick in diese frühe Phase der Menschheitsentwicklung und ihre natürlichen Umweltbedingungen im Leinetal ab ca. 50.000 v. Chr. ermöglicht.

Wolfgang Bauer hat im Laufe seiner langjährigen Sammlertätigkeit zahlreiche Kiesgruben nach archäologischen Funden abgesucht. In der Ausstellung werden seine bedeutendsten Fundstücke aus Hemmingen-Westerfeld, Wilkenburg, Koldingen, Gleidingen, Heisede, Ruthe, Sarstedt, Giften, Barnten und Rössing präsentiert. Ein großer Teil davon wurde in Fachbüchern veröffentlich, u.a. in dem 1991 erschienen  Handbuch Ur- und Frühgeschichte in Niedersachsen. Für die Dokumentation und Publikation der Funde werden nicht nur maßstabsgerechte Fotos angefertigt, sondern auch technische Zeichnungen mit verschiedenen Ansichten und Querschnitten.

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